„People of the world – look at Berlin“

Juli 30, 2008 um 12:36 am | Veröffentlicht in Politik, Reise | 4 Kommentare

.kleiner Nachtrag zu Barack Obamas Rede in Berlin.

Barack Obama löste schon eine ganze Zeit vor seinem eigentlich Auftritt letzten Donnerstag viel Aufregung und teilweise auch Verwirrung aus. Da war beispielsweise das Hickhack zwischen SPD und CDU um den richtigen Ort, an dem der Präsidentschaftskandidat seine Rede zu halten habe. Nur nicht zuuu symbolträchtig, nur keine falschen Signale senden, solange noch nicht sicher ist, ob vielleicht doch nicht der republikanische Hoffnungsträger John McCain das Rennen am 4. November machen wird. So wohl das politische Kalkül der Union. Des Rätsels Lösung kam dann wider Erwarten durch Obama selbst, der erkennen ließ, dass für ihn die Symbolik um das zum fast schon Mysthischen hochstilisierte Brandenburger Tor nicht die große Rolle spiele und er sich stattdessen schon einen neuen Ort für seine Rede ausgesucht hat nämlich vor der Berliner Siegessäule. Oder besser gesagt: hinter der Siegessäule, denn der Engel, der auf der insgesamt knapp 67 m hohen Säule ragt, wandte Obama den Rücken zu, was aber zugleich den Vorteil hatte, dass nicht er, sondern die 215.000 Zuschauer in die sich langsam senkende Sonne über Berlin schauen mussten. Obama in diesem Zusammenhang als Blender zu bezeichnen, wäre aber reichlich deplatziert.
Schlange stehen vor Obama Rede

Viele der Zuschauer „pilgerten“ schon Stunden vorher zu den Kontrollzelten, die ab 16 Uhr Einlass gewährten. Wenn den Organisatoren in Berlin etwas anzukreiden ist, dann sicherlich die Tatsache, dass die Zahl der Metalldektetoren in den Kontrollzelten sowie die Anzahl der Sicherheitskräfte, die von Hand die Besucher auf verbotene Mitbringsel hin untersuchten, in keinem Verhältnis zu den Menschenmengen stand, die sich anschickten, so nah wie nur irgend möglich ans Rednerpult zu kommen. Insgesamt gab es, soweit ich das überblicken konnte, 18 solcher Kontrollzelte, 9 auf jeder Straßenseite, wobei ein Zelt mit jeweils einem, vereinzelt auch mit zwei Metalldetektoren, wie man sie vom Flughafen kennt und mit jeweils drei bis vier Kontrolleuren ausgestattet war. Nicht gerade viel wenn man bedenkt, dass sich in die vordere, abgesperrte Zone wohl um die 60.000 Menschen drängten. Wir selbst brachten es auf eine Wartezeit von geschlagenen zwei Stunden bis wir vom Ende der Schlange am Metalldetektor angelangt waren, wohl gemerkt handelte es sich um eine Distanz von nur etwas mehr als 10 m.

Um 19:22 Uhr war es dann endlich soweit: Barack Obama schritt begleitet vom tosendem Beifall von 215.000 begeisterten Menschen auf sein Rednerpult zu. Er dankte zu erst allen Gekommenen, den Politikern, den Sicherheitskräften, usw. bevor er dann zu den eigentlichen Inhalten seiner Rede ansetzte. Er schlug Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart in Form der Luft“brücke“, die sich als immer wiederkehrendes Motiv durch die gesamte Rede zog und symbolilsch für den Beginn der deutsch-amerikanischen Freundschaft steht. Unbestritten eine besondere Freundschaft.
Er sprach von Berlin als eine Motivation für die ganze Welt, daran zu glauben, dass friedlicher Dialog und partnerschaftliche Zusammenarbeit über Länder- und Kulturgrenzen hinweg möglich. Er sprach von einer atomwaffenfreien Welt (an dieser Stelle gab es ohne Zweifel am meisten Zuspruch unter den Zuschauern) und davon, dass sowohl „Good Old Europe“ wie auch die USA mehr leisten müssen, damit wir weiterhin unseren Wohlstand und unsere Freiheit genießen könnten. Hier fordert Obama also indirekt von den europäischen NATO-Staaten mehr Einsatz in den aktuellen Krisengebieten wie Afghanistan.
Obama räumt Fehler ein, die die USA in der Vergangenheit begangen haben und ruft gleichzeitig die Weltgemeinschaft auf, sich den augenblicklichen Krisen, wie z.B. dem Klimawandel gemeinsam und entschlossen zu stellen. Solch globale Probleme können nicht isolationistisch gelöst werden, alle Länder dieser Welt müssen sozusagen an einem Strang ziehen. Ein Aufruf für den der Weltbürger Obama, das Schlagwort „global citizenship“ fällt in seiner Rede auch des Öfteren, aufgrund seiner Vergangenheit und Herkunft geradezu prädestiniert ist. In den besten Momenten der Rede erinnert sie an Martin Luther King’s „I have a Dream“-Anaphern. Obama weist die Weltgemeinschaft ausdrücklich auf die Dringlichkeit der globalen Krisen und Probleme hin und zwar mit den Worten „This is the moment when…“, nicht selten gefolgt von einem „we“, also nochmals der Appell an die ganze Welt!

Schließlich zum Fazit der Rede: Sicher, es ist alles schön und gut, was Obama gesagt hat, jedoch bleibt abzuwarten, wie und zuallerst einmal ob er seine Visionen umsetzen kann, ohne sich von dem Druck, der auf ihn hereinbrechen wird, wenn er ins Präsidentenamt gewählt werden sollte, verbiegen zu lassen. Sicher, es war eine außergewöhnliche Rede, schon allein der Inszenierung wegen. Doch obschon der hervorragenden rhetorischen Fähigkeiten Obamas blieb die Rede für einige Zuschauer hinter den Erwartungen zurück. Es fehlte vielen das gewisse Etwas, wie beispielsweise Kennedys legendäres Statement „Ich bin ein Berliner“ oder Reagans Appell an Gorbatschow „Mr. Gorbatschow tear down this wall!“ vom Juni 1987. Etwas, wodurch jedem die Rede auch ins Bewusstsein gerufen werden würde. „People of the world – look at Berlin“ ist zwar eine starke und eindeutige Aussage, zu einem geflügelten Wort bzw. Satz wird es sich aber wohl kaum entwickeln. Nichtsdestotrotz überwiegt wohl bei den meisten, so auch bei mir, das Positive der Rede. Noch nie habe ich es erlebt, dass ein Politiker so viele junge Menschen in seinen Bann ziehen kann. Dieses jugendliche Interesse an Politik sollte uns allen Hoffnung machen. Obama blieb während seines ganzen Auftritts authentisch, selbst als er die wirklich ernsten Themen an- und Visionen zu deren Lösung aussprach. Er scheint also tatsächlich eine Politik des Wandels zu führen, die man wirklich glauben kann.

„Change we can believe in“ – Barack Obama (offizieller Wahlkampfslogan)

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