St. Pauli ist Kult! Aber wie lange noch?

November 8, 2008 um 4:31 pm | Veröffentlicht in Sport | 1 Kommentar


Viel hat sich in letzter Zeit auf St. Pauli getan. Die Kultstätte von einst, das Millerntorstadion, wandelt sich mit der Zeit mehr und mehr zu einer modernen Fußballarena. Zugegeben, bei einem Fassungsvermögen von mittlerweile 23.201Zuschauern kann man natürlich nicht wirklich von einer Arena sprechen, aber die berühmte Sportanlage auf dem Heiligengeistfeld wird seit 2006 schrittweise runderneuert und saniert. Und zwar Tribüne für Tribüne. 2014 soll das Stadion dann in neuem Glanz erstrahlen und 27.000 Fans fassen. Ein guter Wert für einen Zweitligisten. Der Umbau ist auch nötig, denn das Millerntorstadion war marode und entsprach langsam aber sicher nicht mehr den Auflagen des DFB.

Die neue, überdachte Südtribüne ist vor kurzem fertiggestellt worden und beinhaltet nun auch die Räumlichkeiten die man von anderen Stadien gewohnt ist: ein meist (überfüllter) Fanshop, ein Vereinsrestaurant, ein Kartencenter im Eingangsbereich statt den Kartenhäuschen von einst und Essensstände auf der Rückseite der eigentlichen Tribüne anstatt den Currywurstbuden, die sich früher vorm Stadion tummelten. Die Fassade der neuen Südkurve ist aus rotem Backstein und Glas, auf dem ein überdimensionales Vereinswappen prangt. Modern, sauber, fast schon steril, zumindest der Teil des Stadions hat schon viel von dem maroden Charme des Kiezes eingebüßt. Sicher, der Umbau kostet viel Geld. Geld, das bei St. Pauli nicht im Überfluß vorhanden ist. Da hilft also nur die Flucht nach vorne! Mit einer eigenen Kollektion und dem Slogan „Die Straße trägt St. Pauli“ wird im Fanshop um Käufer gebuhlt. Und dies funktioniert. Der FC St. Pauli, der mittlerweile fast schon zu einer Art Marke geworden ist, ist Kult! Und das Geld ist für den Stadionumbau auch bitter nötig, also an sich eine unterstützenswerte Sache, wenn sie nicht Überhand nimm!

Das St. Pauli in diesen Dingen nicht ganz ungeschickt vorgeht, zeigte beispielsweise vor Jahren die Aktion, als man, damals noch als Erstligist, den großen FC Bayern München schlug, der kurz vorher Weltpokalsieger geworden war, und prompt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Weltpokalsiegerbesieger“ drucken ließ. Jeder der das T-Shirt kaufte, wurde zum „Retter“ (ebenfalls auf dem T-Shirt aufgedruckt) des Vereins, der sich damals in akuter finanzieller Not befand.

Was mir nun an der ganzen Sache zu denken gibt, ist die Tatsache, dass der FC St. Pauli Gefahr läuft seinen Kult zu kommerzialieren. Der Kultstatus des Kiezes und seiner Kicker wird instrumentalisiert für Merchandisezwecke, also Vorgänge die natürlich im Profifußball alltäglich sind. Nur, St. Pauli ist nicht alltäglich. St. Pauli steht doch für etwas anderes. Er steht für einen eigenen Lebensstil, für einen Verein, der stehts seinen ganz eigenen Weg gegangen ist und deswegen von so vielen Fans geliebt und geschätzt wird. Man will doch eigentlich nicht so sein wie die beispielsweise der selbstgefällige FC Bayern München, man will nicht zu diesem Establishment gehören, deswegen ja wohl auch der Ausdruck „non established since 1910“. Der FC St. Pauli stand immer auch für das Gefühl, dass man egal wie groß die (meistens finanziellen) Probleme auch waren, diese Probleme lösen konnte, weil die Fans in allen Zeiten immer treu zu dem Verein gestanden haben, weil der Verein für sie etwas ganz Besonderes repräsentierte. Etwas, das man nicht einfach dem Kommerz preisgeben sollte.


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1 Kommentar »

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  1. hubi, du magst mit deiner these ja gar nicht so unrecht haben. aber jetzt überlege mal, wo der dc st.pauli ohne seinen langjährigen präsident, hans weisener, heute wäre: der hat aus privater schatulle gefühlte 100 mal den verein vor der pleite bewahrt. und wenn der verein pleite ist, kann man sich selbst nicht mal mehr eine bruchbude millerntor leisten, die lichter gehen aus und der mythos „st. pauli“ ist fürn arsch. wenn es das ist, was du möchstest, dann tun mir die vielen pauli-fans leid.
    sehe das ganze mal so: natürlich ist pauli kult und anders als andere vereine. doch auch in st.pauli geht profifußball nicht ohne geld und kommerz, die müssen schließlich auch sehen, wo sie bleiben. während sich die bauern durch ihren erfolg das geld in die taschen wirtschaften durch lippenstift, duschgel oder puzzlespiele, wo das hässliche rote logo drauf ist, machts st.pauli halt über die kult-schiene (siehe retter-t-shirts, von denen ich übrigens auch eines habe). das ist die entwicklung des fußballs, genauso das modernisieren einer bruchbude, was anderes war das millerntorstadion nicht mehr. die konnten ja teilweise froh sein, dass die stadt hamburg das ding nicht gesperrt hat wegen einsturzgefahr. es ist nunmal so, dass auch dieser trend vor st.pauli nicht halt gemacht hat, doch in meinen augen kann man tradition, kult usw. gut vereinbaren mit neuen trends, wie z.b. sterile, neue stadien, die alle gleich aussehen. die wahrheit liegt i-wo in der mitte, doch derzeit gibt pauli der erfolg einfach recht, dass das, was sie da aufbauen und aufgebaut haben, nicht ganz falsch war.


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