Kleine Begriffskunde zum Thema „Integrität“

Oktober 27, 2009 um 12:52 am | Veröffentlicht in Politik | 5 Kommentare

Nun bin ich doch in letzter Zeit so oft über dieses Wort“Integrität“ gestolpert, dass ich mich mal etwas genauer damit beschäftigt habe, die Bedeutung dieses Wortes zu ergründen. Der Einleitungssatz auf Wikipedia macht einem auch ziemlich schnell klar, worum es dabei geht, nämlich um die

Übereinstimmung zwischen idealistischen Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis, nicht in jedem kleinen Detail, aber im Ganzen.

Blöd nur, dass sich diese an sich einfache Erklärung partout nicht dauerhaft in meinem Kopf festsetzten wollte. Eine Eselsbrücke musste her und die habe ich heute gefunden….

Ich bin nämlich auf dieses Video gestoßen, welches Wolfgang Schäuble, als unseren designierten Finanzminister, zum Thema hat (enthält meinen Held des Tages: Rob Slavenberg, niederl. Journalist):

Hm ja, das Gedächtnis…. wo stecken sie denn gleich wieder, diese 100.000 Mark?? Die Frage stelle ich mir ja auch jeden Tag… Zu blöd, dass Herr Schäuble nicht mehr weiß, wo er sie hingetan hat…

Naja zurück zum Thema Integrität. Seit diesem Video, gewissermaßen also seit Herrn Schäuble, werde ich wohl nie mehr Schwierigkeiten mit dem Begriff „Integrität“ haben. Denn liest man in dem Wikipedia-Artikel weiter, nämlich beim Punkt „Integrität in der Arbeitswelt“ so macht der erste Satz wiederum einiges klar:

Aufgrund dieser Tatsache achten besonders große Konzerne, Finanzinstitute und öffentliche Ämter darauf, dass die beschäftigten Personen „integer“ sind.

Also auf gut Deutsch: Jemand mit mehrseitigem Vorstrafenregister dürfte es wohl schwer haben, einen Ausbildungsplatz bei der Polizei zu ergattern. Jenem gerade zitierten Satz geht dieser zur persönlichen Integrität voraus:

Die Aussage über einzelne Menschen – sie seien „integer“ – meint, dass diese Personen „unbestechlich“ sind und über „feste, tief verankerte, positive Werte“ verfügen, zu denen sie stehen und von denen sie sich nicht abbringen lassen.

Und spätestens jetzt dürfte es einigen wohl wie Schuppen aus den Haaren fallen, was die ganze „Integritäts“-Vorrede mit Wolfgang Schäuble zu tun hat, denn wer, wenn nicht er, ist denn aufgrund seiner tadellosen Integrität besser für das öffentliche Amt des Finanzministers geeignet?

Wer verlangt auch schon von dem Wächter über die Steuergelder von 35 Millionen steuerpflichtigen Bundesbürgern (Stand 2004), die sich im Jahr 2004 immerhin auf 1,1 Billionen Euro beliefen (Statistische Bundesamt), soetwas wie Unbestechlichkeit oder gar positive Werte

Es gibt gesellschaftliche und berufliche Positionen, bei denen bereits ein Verdacht auf fehlende Integrität des Inhabers zu dessen Suspendierung bzw. Enthebung der Position / des Amtes führen kann, da man integeren Personen „absolutes Vertrauen“ schenkt und dieses durch den ausgesprochenen Verdacht bereits anzweifeln kann.

Von jemandem der sich nicht mal an den Verbleib von 100.000 DM „erinnern“ kann, von dem kann doch beim besten Willen nicht gefordert werden mit läppischen 1,1 Billionen Euro vertrauensvoll umzugehen, wie könnte man auch… (*Ironie/off*)

Ach ja und der Begriff „Vertrauen“ muss nach der Aussage von Frau Dr. Merkel wohl auch neu bewerten werden.

Quellen: Wikipedia, Statistisches Bundesamt

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5 Kommentare »

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  1. Sehr gelungener Artikel, hat mir gefallen ihn zu lesen!!!

  2. es gibt so viele Wolfgang S. Da dreh ich meine Hand nicht um, ob Friedrich Z.(meineidbauer) oder Otto Graf von L.(Steuervergehen) oder Helmut K( ich habe mein ehrenwort gegeben) oder Roland K. Alle haben geschworen, im dienst und zum Wohle des Volkes zu handeln. Einige wenige(von SPD und Grünen) haben beim Amtseid wenigstens Gott(so wahr mir Gott helfe) aus dem Spiel gelassen.

  3. hey – saubere Leistung …

    nun ja – aber um eine Antwort auf das Rätsel der „verlorenen“ 100.000 Mark zu geben:
    der gute Herr Schäuble mag zwar evangelisch sein, dennoch stammt er gebürtig aus dem katholischen Freiburg in Breisgau –
    das lässt nun wieder vermuten, dass sich (wenn auch veraltete) Denkweisen dieser Religion in Schäubles Bewusstsein festgesetzt haben.
    So mag es wohl sein, dass er die 100.000 Mark nicht verschusselt hat, sondern „lediglich“ in seiner Schublade zurückhält denn schließlich muss er sich eines Tages vor einem ganz anderen Gericht behaupten – einem, bei dem keine Frau Dr. Merkel eintritt um ihn zu „verteidigen“.
    Da er allerdings zu wenig Rückgrat hat, um für seine Taten einzustehen, spart er schon heute für gewisse Ablassbriefe.

    Dass das ganze Schema veraltet und widerlegt wurde – und es Dinge gibt, die man nicht mit Geld befriedigen kann (sei es nun Gott oder „lediglich“ das eigene Gewissen) wird er schon noch bemerken.

    Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen, dass man wenigstens behaupten kann, dass unsere Politik fortschrittlich ist, wenn sie nicht auf Vorurteilen, wie einen „kleinen“ Fauxpas der Vergangenheit entscheidet, sondern nach „Kompetenz“.

  4. hehe… ja wenn man’s positiv sehen will, könnte man dieses Vorurteilsfreie/Vergessenwollen auch in gewisser Weise als fortschrittlich bezeichnen ;-).
    Ob allerdings die „zurückgelegten“ 100.000 DM fürs Jüngste Gericht reichen, darf bezweifelt werden, zumal ihm der Zusatz „So wahr mir Gott helfe“, den Herr Schäuble gestern beim Amtseid nachplapperte, weitere Ablassforderungen seitens des Jenseitigem einbringen dürfte. Zur Erinnerung, das 2. Gebot lautet so oder so ähnlich: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ Und das bei der Partei mit dem „C“ davor.
    In der Tat ein sehr interessanter Gedanke…

  5. C wie christlich ist genauso irreführend wie S wie sozial bei CSU oder der SPD(bei der es schon mal zutreffend war oder die Hoffnung unter Gabriel wieder aufkeimt).Das C im parteinamen war aber sehr nützlich bei unserer CSU in der Zeit, in der es üblich war, vorm Urnengang den Gang zur Kirche zu tätigen. Am Wahlsonntag predigte der kirchenhirte seinen Schäfchen, doch christlich zu wählen. Deswegen wird die Union einen Teufel tun und das C aus dem Namen zu nehmen, obwohl der Gang zur Kirche nicht überall in ist, weswegen das Ziel nicht mehr 50 X ist. Hat auch ein Oberbayer(der mit dem 6.Gebot etwas Probleme hatte -oder noch hat) eben im BR gesagt. Und den Zusatz „so wahr
    mir Gott helfe“ wird nur deshalb verwandt, um später zu sagen, ich hätte ja gewollt, aber der Herr hat mir nicht geholfen!!?!


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