Die Wissenden

Dezember 23, 2009 um 10:35 pm | Veröffentlicht in Wissenswertes | 1 Kommentar

Expedition in Gehirn – Teil 1: Gedächtnisgiganten

Früher im Wilden Westen war noch alles einfach: Menschen, die zu viel wussten, wurden auf offener Straße oder im Saloon mal eben um die Ecke gebracht.

Heute interessiert sich die Wissenschaft für Menschen mit besonderen Gedächtnisbegabungen. Auf dem Weg zur Entschlüsselung unseres Denkapparats können „Savants“ die Hirnforscher ein ganzes Stück weiterbringen. Als „Savants“, also die „Wissenden“, werden Menschen mit außergewöhnlichen Hirnleistungen bezeichnet, sei es, dass sie komplizierteste Mathematische Operationen im Kopf beherrschen, den Inhalt tausender Bücher nahezu Wort für Wort im Kopf haben oder aber zu jedem Datum der letzten Jahrhunderte aus dem Stegreif den richtigen Wochentag wissen.

Der Preis für diese „Inselbegabungen“ allerdings ist hoch: viele der Savants sind Autisten, können also keine normalen sozialen Kontakte zu Mitmenschen aufbauen, Körper- und vor allem Blickkontakt, also für die Kommunikation essentielle Dinge, sind für sie befremdlich und Dinge des Alltags, wie beispielsweise sich Kleiden, ist vielen nur schwer und mit Hilfe möglich.

Der wohl bekannteste Savant war der Amerikaner Kim Peek, der vor vier Tagen im Alter von 58 Jahren starb. Peek war ein wandelndes Lexikon. Bereits mit 16 Monaten konnte er lesen und verschlang seit dem alles, was ihm zwischen die Finger kam. Aufgrund einer Anomalie seines Gehirn (die beiden Hirnhälften waren fast nicht miteinander verbunden), konnte er zwei Seiten eines Buches auf einmal lesen. Je eine Seite mit einem Auge und das in nicht mehr als 8 Sekunden (!). So sammelten sich im Lauf der Jahre eine Bibliothek von rund 12000 Büchern in Peeks Kopf an, aus denen er fast wortwörtlich rezitieren konnte. Aufgrund seines unglaublichen Faktenwissens erhielt er den Spitznamen „Kim-puter“. Der Regisseur Barry Moore wurde Ende der 80er auf Kim Peek aufmerksam und drehte basierend auf diesem Charakter den oscarprämierten Film „Rain Man“ (mit Dustin Hoffmann als Savant und Tom Cruise in den Hauptrollen).

Ich persönlich hörte von dem Begriff „Savant“ das erste Mal, als ich vor Jahren diese überaus gelungene Dokumentation über die Glibbermasse in unseren Köpfen sah, die für nicht weniger als 100 Milliarden Nervenzellen Heimat ist. Ich kann diese „Expedition ins Gehirn“ nur wärmstens empfehlen (natürlich auch die Folgen 2 und 3).

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